Fürbitten in der Corona-Pandemie

Im solidarischen Denken das große Atmen erfahren

Alois Odermatt in der Danubiana-Galerie.

Ein Virus hat sich die Krone aufgesetzt und zieht wie ein König um die Welt. Es kann eine neuartige Krankheit auslösen. Bei manchen kommt es zu Atemnot. Es ist, als ob bei ihnen die atemlose Hast unserer Zeit zum Ausdruck käme. Bei schwerer Erkrankung versagen die Lungen. Daran sterben vor allem ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen.

Es zirkulieren viele Anregungen für den Umgang mit dieser Bedrohung, auch solche spiritueller und religiöser Art. Hier ein Vorschlag für Fürbitten.

Beten als solidarisches Denken begreifen

In Fürbitten stellen wir uns «Gott» oft als Allmacht vor: als eine Macht, die am Anfang die Welt erschaffen hat und nun manchmal eingreift, vor allem, wenn wir sie bestürmen, dies und jenes zu tun. Alle antworten: Wir bitten dich, erhöre uns!

Es sind auch andere Vorstellungen möglich. Wir können Fürbitten als solidarisches Denken begreifen, gerade im Blick auf die Corona-Pandemie und ihre Atemnot.

Die Sorge füreinander ruft uns heute zurück in den kleinen Kreis – dorthin, wo zwei oder drei… Da ergänzen sich die Ansagen der Fürbitten wie von selbst, mit und ohne Worte.

Das große Atmen erfahren

Wir antworten auf die Ansagen nicht mit Worten, nicht mit Gesang, sondern mit schweigendem Ausatmen und Einatmen. Wir atmen bewusst aus und warten ab. Der Raum weitet sich von selbst und neuer Atem strömt ein. Es ist der klassische Rhythmus von Ausatmen und Einatmen, wie beim melodischen Sprechen von Psalmen im Chor. Es ist eine klassische Übung auf dem spirituellen Weg.

Auf diesem Weg können wir vielleicht das große Atmen erfahren, das uns durchweht. Kommt uns da nicht Zukunft als atmende Leere entgegen, als schöpferischer Sog in die Zukunft hinein? Denn die «Leerheit» kann auch Fülle bedeuten: «eine Fülle, die schwanger geht mit allen Möglichkeiten» (Willigis Jäger). Da atmet Freiheit in uns auf.

Wir entzünden eine Kerze und holen Atem in der atemlosen Unrast der Welt. Dabei verzichten wir bewusst auf den Begriff «Gott». Atheisten denken solidarisch mit.

       Einleitung

Wir reden darüber

Angst geht durch die Welt.
Angst vor dem Virus, das Krone trägt und Atem raubt.

Wir denken uns solidarisch in dieses Drama hinein.
Wir durchschauen Angst und fassen Mut.

Wir atmen und lauschen.
Erfahren wir das Atmen?

       Atem-Litanei

1. Wir denken an Menschen in unserem Umkreis:

  • Eltern und Großeltern
  • Kinder und Enkelkinder
  • Freunde und Bekannte

 2. Wir denken an Menschen, die krank werden:

  • Hier in unserem Land
  • In stark betroffenen Ländern
  • Auf der Flucht oder in Flüchtlingslagern

 3. Wir denken an Menschen, die sich um Gesunde und Kranke kümmern:

  • Freiwillige Helferinnen und Helfer
  • Frauen und Männer in der Pflege
  • Ärztinnen und Ärzte

 4. Wir denken an Verantwortliche in Öffentlichkeit und Staat:

  • Fachleute der Wissenschaften
  • Medienleute
  • Behörden, Polizei und Militär

 5. Wir denken an Kulturschaffende

  • nstlerinnen und Künstler
  • Kreative in Musik, Gesang und Sprache
  • Spirituelle Meisterinnen und Meister

       Abschluss

Erfahren wir einen Atem?
Das Atmen einer werdenden Welt?
Atmet Freiheit in uns auf?

Und wir reden darüber

Alois Odermatt ist Historiker und Theologe mit Schwerpunkt Liturgiegeschichte (al.odermatt@bluewin.ch)