Davidek hat „das“ getan

überstehen ohne gebrochen zu werden und zu verzagen

Foto: Hans Klaus Techt

„In Zeiten wie diesen“ – dieser gerade so gängige Ausdruck ist auch auf die katholische Kirche anzuwenden: seit nun fast drei Jahrzehnten ist ihre Glaubwürdigkeit enorm im Schwinden, durch so viele Missstände, die nun auch für die Öffentlichkeit ans Tageslicht kommen, vor allem durch so viele Priester, von denen man nun weiß, dass sie sich sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht haben – an Männern, Frauen (Klosterfrauen!) und Kindern. Finanzskandale größten Ausmaßes kommen noch dazu. So ist es – gerade in Zeiten wie diesen – besonders wohltuend, sich an Priester zu erinnern, die große Vorbilder waren. Bischof Davidek ist einer davon.

Er war ein Regimegegner. Das ist riskant, mutig und keinesfalls selbstverständlich. Für mich, die ich mein Leben lang in einer Demokratie gelebt habe, ist es gar nicht vorstellbar, wie es sich anfühlt, wenn man sich aus Gewissensgründen in Lebensgefahr begibt, und wie man 14 Jahre Gefängnis überstehen kann, ohne gebrochen zu werden und zu verzagen.

Dazu kommt, dass er von seiner „Mutter Kirche“ keinerlei Rückhalt erfahren hat. Auf sich allein gestellt, ohne konkrete Vorgaben und Richtlinien, wie er zu handeln habe, hat er großherzig selbst entschieden, was genuin christliches Handeln in seinem Kontext zu bedeuten hat. Papst Franziskus betont immer wieder, wie wichtig eine solche Haltung und ein solcher Mut für das Leben unserer Kirche ist.   „Die Kirche“ als die alleinige Meinungsmacherin, als die Instanz, die von oben nach unten festlegt, was richtig ist, an jedem Ort und zu jeder Zeit – die gibt es nicht, kann es gar nicht geben. Wir haben eine Botschaft, nach der wir uns richten und die in ihrer Grundausrichtung sehr klar ist („Liebt einander!“). Was sie im Einzelfall bedeutet, müssen wir nach unserem Gewissen, mit der Gemeinschaft, in der wir leben, mit den Betroffenen vor Ort, immer wieder konkret entscheiden. (WsK-Österreich, Nr. 108, Winter 2020, S. 21, Katzengold – oder mehr? Beitrag von Martha Heizer).

Davidek hat das getan – und zwar ohne jeden päpstlichen Rückenwind. Der Himmel möge es ihm lohnen! Dass er Ludmilla Javorová zur Priesterin geweiht hat, war ein prophetisches Zeichen. Damit hat er deutlich gemacht, dass seelsorgliche Unterstützung, priesterliches Tun nicht vom Geschlecht eines Menschen abhängig ist, sondern dass es hauptsächlich mit Gottvertrauen und Gott-Verbundenheit zu tun hat, ob man anderen Gott nahe bringen und sie in ihrem geistlichen Leben begleiten kann.

Der spätere Umgang des Vatikans mit dieser Handlung ist ein besonders beschämendes Beispiel dafür, wie versteinert und menschenfeindlich das Regelwerk der Glaubenskongregation inzwischen vielfach geworden ist.

Bischof Davidek war und bleibt ein Hoffnungsträger für all jene, die sich eine lebendige Kirche mit glaubensstarken und selbstverantwortlichen Mitgliedern wünschen!

 

Im Jahre 1995 stand Martha Heizer gemeinsam mit Thomas Plankensteiner mit dem österreichichen Kirchenvolks-Begehren am Anfang der weltweiten Bewegung Wir sind Kirche (We are the Church). Z. Z. ist sie Vorsitzende der Wir sind Kirche Österreich (WsK). Zwichen WsK und ok21 gibt es eine enge und langjährige freundschaftliche Zusammenarbeit.