Causa Bezák – Wendepunkt in der katholischen Kirchenpolitik

Nach fast zweieinhalb Jahren der absoluten Ungewissheit in der Causa Bezák, scheinen sich in letzter Zeit die Ereignissen rund um eine mögliche Rehabilitierung von EB Róbert Bezák fast schon zu überstürzen.

Autor: SITA, Jozef Jakubčo

Nach fast zweieinhalb Jahren der absoluten Ungewissheit in der Causa des ohne Angabe von Grün­den von Papst Benedikt XVI. im Juli 2012 abgesetzten und vertriebenen slowakischen Erzbischofs von Trnava, Msgr Róbert Bezák, scheinen sich in letzter Zeit die Ereignissen rund um eine mögliche Rehabilitierung von EB Róbert Bezák fast schon zu überstürzen. Die Römische Kurie mit den Kardinälen, die mehrheitlich den alten Strukturen der absolutistischen Hierarchie angehören, betreibt nach wie vor gegenüber den gläubigen und getreu zugewandten Freunden, Unterstützern und Anhängern des populären Erzbischofs in der Slowakei und international eine akute Desinformationspolitik, auch gegenüber Papst Franciscus.

Bezák wurde aus seinem Amt fortgejagt, weil er die undurchsichtigen Geheimkonten, Geldtransfers und Finanz-Machenschaften seines Vorgängers Ján Sokol aufgrund gravierender Unregelmäßigkei­ten einer Buchprüfung unterziehen wollte. Den hinterfragenden Gläubigen wurde mitgeteilt, das ginge sie nichts an. Der Sprecher der Slowakischen Bischofskonferenz hat Erzbischof Bezák mehrmals wörtlich gesagt, er müsse den Mund halten, nicht einmal religiöse Betrachtungen durfte er halten (5. März 2013). Im Übrigen hätte er sich zu entschuldigen.

Am 2. Juli 2013, ein Jahr nach der höchst skandalumwitterten Absetzung fand in Bratislava vor der Nuntiatur eine Demonstration statt, angeführt vom ehemaligen Parlamentspräsidenten Dr. František Mikloško. Viele Christen in der Slowakei, die aktiv für Bezák eintreten, hatten sich offen für den beliebten Erzbischof und gegen seinen brutalen Hinauswurf organisiert.

Papst Franciscus traut sich was!

Der Papst jedoch kämpft gegen alten Strukturen und korrupten Seilschaften mutig und furchtlos an, er traut sich was, mit Taten, und indem er die Dinge beim Namen nennt: So hat er den Genozid an den Armeniern angesprochen, dem unschuldig verdächtigten Dachverband der US-Ordensschwestern (LCWR) sein Vertrauen ausgesprochen und Erzbischof Bezák zweimal empfangen: Einmal kurz im Rahmen einer Generalaudienz, bei der Bezák dem Papst ein Schreiben übergab. Aber dann nachhaltig am 10. April 2015 zu einer ermutigenden einstündigen Privataudienz. Der Prager Alterzbischof Kardinal Miloslav Vlk begleitete Bezák und soll „durch die Hintertür“ das Zustandekommen des Gesprächs mit Franciscus angebahnt haben. Dabei habe Bezák „große Empathie des Papstes verspürt“.

Kampagne zur Rehabilitierung Bezáks

Unterstützt wird Franciscus bei seinen reformatorischen Vorhaben zu einer demokratischen und den Menschenrechten verpflichteten radikalen Umkrempelung der katholischen Kirche durch die österreichischen Initiatoren einer internationalen Kampagne zur Rehabilitierung von Róbert Bezák. Auch wenn es Rom in der Öffentlichkeit nicht so gelten lässt, spricht vieles dafür, dass dieses Engagement von Franciscus so wahrgenommen und angenommen wird und sein Ziel in keiner Weise verfehlt hat. Dieser Akt der Unterstützung und Solidarität mit ihm erfolgt im Wissen, dass die Erneuerung und Neubesetzung der Kurie zu den wichtigsten Reformzielen des Papstes zählt.

Könnten diejenigen, die es geschafft haben, den slowakischen Franciscus wegzuräumen, nicht auch den römischen aus dem Weg räumen? – Die Causa Bezák ist eine grenzüberschreitende Angelegen­heit, eine internationale Herausforderung. Denn der Feldzug gegen Erzbischof Bezák ist letztlich auch ein Kampf gegen Papst Franciscus.

Die Initiatoren und zahlreiche Mitstreiter dürfen heute auf ihre Fahnen schreiben, dass ihr öffentliches Eintreten für die Anerkennung und Achtung der Menschenrechte in der Kirche zur Wiederherstellung der vom Vatikan grob missachteten und versuchten Auslöschung der Menschenwürde Bezáks Druck auf die Römische Kurie und insbesondere auch auf die slowakische Bischofskonferenz ausübt.

Wir alle waren es, die Initiatoren, die die Causa Bezák aufgegriffen, dieses Thema vorgaben und die internationale Öffentlichkeit dafür sensibilisiert haben, und ihre Mitstreiter, Helfer und überzeugten Verteidiger dieses Unternehmens für die Rehabilitierung Bezáks, und keine andere Initiative weltweit!

Die Initiatorengruppe

Die Initiatoren sind eine unabhängige, private Gruppe von vier befreundeten Familien aus dem Raum Wien und Umgebung, die sich seit knapp 30 Jahren kennen, sich in der katholischen Kirche engagieren und sich für deren Anliegen einsetzen:

Familien Lang in Leopoldsdorf (Niederösterreich), Pampalk in Wien, Smutny in Biedermannsdorf (Niederösterreich) und Mayerhofer-Sebera in Berndorf (Niederösterreich) – Sprecher der Gruppe.

Angeschlossen haben sich:

  • Marienpfarre der Redemptoristen Wien – Sprecher Helmut Reimitz; Wilhelm Prokop
  • Dr. med. Peter Križan und DDr. Miroslav Kocúr aus Bratislava als Insider der slowakischen Kirche und unsere Verbindung zu den Christen in der Slowakei – herzlichen Dank für eure Unterstützung!
  • Die Plattform „Wir sind Kirche“ damals unter Ing. Hans-Peter Hurka, der uns heute weiter unterstützt!

Sympathie, Achtung und Respekt der Initiatoren für die Christen in der Slowakei

Betont haben die Initiatoren, sie haben große Sympathie, hohe Achtung und Respekt für die gläubigen Christen, Katholiken, im befreundeten Nachbarland Slowakei und zollen ihnen hohe Anerkennung für ihre Leistungen, die sie im Laufe der oft harten, schmerzlichen und schwierigen Epochen ihrer Geschichte erbracht haben. In der Zeit des Widerstandes gab es verständlicherweise da und dort „isolierte Kreise“, deren Funktion für damals sicherlich gut war, heute aber sind mehr denn je die „verbundenen Kreise“ das integrative Element. „Durch das globalisierte Europa sehen wir die Möglichkeit, noch mehr zu zeigen, dass wir Christen, Katholiken, zusammen gehören und eine große Kirche sind, in der alle zu allem ihre Mitsprache haben. Die internationale Petition soll die slowakischen Initiativen über die Grenzen hinaus zusätzlich unterstützen. Es kann uns nicht egal sein, wie es ihnen geht, wenn eine solche Situation wie in der Causa EB Róbert Bezák. Aber wir wollen uns nicht einmischen in persönliche Entscheidungen, sondern unseren Mitchristen, Katholiken, in der Slowakei Mut machen, dass sie ihr Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl zeigen und noch verstärken.

Start der Initiative vor 2 Jahren

Begonnen hatte die nunmehr seit mehr als zwei Jahren permanente Unterstützungsarbeit und solida­rische Schulterschluss mit einem mit 27. Juni 2013 datierten Schreiben der Initiatorengruppe an Papst Franciscus persönlich. Neun in österreichischen in Pfarren engagierte Christen und drei international renommierten Universitätsprofessoren auf dem Gebiet der Menschenrechte und des internationalen Rechts, wie der frühere UN-Sonderbeauftragte Univ. Prof. Dr. Manfred Nowak, A.o. Univ. Prof. Dr. Otmar Höll, Univ. Prof. Dr. Wolfgang Benedek unterzeichneten den Brief und wandten sich mit der dringenden Bitte an den Papst, sich persönlich des Falles anzunehmen und die Menschenwürde Bezáks und die Glaubwürdigkeit der Kirche wieder herzustellen. Aktiv wurden die Initiatoren aber bereits vor der Versendung des Briefes an den Papst, indem sie eine Einladung des slowakischen TV-Kanals TA3 zu einem Interview zur Causa Bezák wahrnahmen, welches auch durch die Verbreitung im Internet erstmals für medialen Zündstoff in der slowakischen Gesellschaft und insbesondere unter der Bischofskonferenz des Landes sorgte.

Primetshofer

Auch der inzwischen verstorbene anerkannte Kirchenrechts-Experte Univ. Prof. em. Pater Dr. Bruno Primetshofer  (Redemptorist wie Bezák) versuchte brieflich den Papst auf die sehr fragwürdige Vorgangsweise der Absetzung seines Ordensbruders Bezáks hinzuweisen. In einem persönlichen Gespräch hat er uns erläutert, dass der Papst tatsächlich an keine römischen Canonica gebunden ist, sondern nur dem lieben Gott Rechenschaft schuldig ist.

Briefe an Papst unterschlagen?

Wie später aus informierten slowakischen Politikerkreisen durchsickerte, habe Franciscus überhaupt keine Briefe erhalten. Die Vorzimmer-Kardinäle des Papstes dürften ihm wohl diese Korrespondenz unterschlagen haben. In Kenntnis unseres Schreibens hatte unser Mitstreiter Dr. František Mikloško die Initiatoren in einem Antwortbrief wissen lassen, unser „Brief an Papst Franciscus hat eine uner­messlich große Bedeutung für Róbert Bezák, aber auch für die Klarheit in der Kirche“. Es sei aber eine „sehr, sehr schwere und schwierige Angelegenheit, in dieser Richtung etwas im Vatikan zu erzielen. Wir stehen wie vor einer Betonmauer“.

Falls der Papst nicht reagieren und die Römische Kurie keine Lehren daraus ziehen sollte, hatte sich die Initiatorengruppe vorgenommen, zu einer großen internationalen Unterschriftenaktion aufzurufen. Da dies der Fall war, präsentierten die Initiatoren und ihre Mitstreiter eine Internationale Petition für ihren Einsatz zur Rehabilitierung von EB Róbert Bezák am 9. Jänner 2014 bei einer Pressekonferenz in Wien, an der auch der ehemalige österreichische Vizekanzler und Präsident des Instituts Donauraum und Mitteleuropa Dr. Erhard Busek und der international renommierte Pastoraltheologe Univ. Prof. DDr. Paul. M. Zulehner teilnahmen.

Internationale Petition für Bezák

Die Petition war von rund 4000 Menschen aus über 40 Ländern unterschrieben worden. Die große Mehrheit der Unterschriften kommt aus der Slowakei. Unter den Unterzeichnern sind „einfache Christen“ ebenso wie Ordensleute, Mitglieder der Caritas, namhafte Theologen (wie z. B. Berhard Häring, Paul Tihon, Walter Kirchschläger) und international bekannte Persönlichkeiten, Politiker, Vertreter aus Wirtschaft, Kultur, NGOs und Künstler.

Unterstützt hat uns mit seiner Unterzeichnung vor allem auch der slowakische von der Bischofskonferenz seines Landes gemiedene Salesianer P. Anton Srholec, der für Bezák nach dessen eigenen Worten ein großes Vorbild ist, und auch fortan unser großer Mitstreiter werden sollte. Der Einsatz der Initiatoren hat durch die Petition in den Medien immer weitere Kreise gezogen. Der TV-Sender TA3 lud daraufhin erneut zu einem in Wien absolvierten Interview ein und stellte es ins Internet.

Nuntius in Bratislava verweigert Entgegennahme der Unterschriften

Die Initiatorengruppe ließ es sich daher auch nicht nehmen, vor der Nuntiatur in Bratislava aufzumarschieren, mit dem Ziel Nuntius Mario Giordana das Ergebnis der internationalen Petition zu übergeben, nachdem vorab in einem offiziellen Schreiben an den Nuntius um die Möglichkeit der persönlichen Überreichung der Petitionsunterschriften mit Terminvorschlag 24. April 2014, 10.00 Uhr, an ihn sowie um Unterstützung in der Causa Bezák ersucht worden war. Mit einem am 12. April 2014 datierten Antwortschreiben zeigte sich Herr Giordana verwundert, dass die in Österreich präsentierte Initiativen und Petition nun in der Slowakei erfolgen sollten. Der Empfang der Initiatorengruppe wurde damit abgelehnt, sie möge sich an die zuständige kirchliche Autorität des eigenen Landes wenden. Das hat uns aber nicht beeindruckt oder überrascht, nachdem wir die Abgehobenheit „hochwürdiger“ bzw. unterwürfiger und ängstlicher Diplomaten, in der Person von Peter Stephan Zurbriggen, Nuntius in Wien, schon kennengelernt hatten.

„Festung“ Nuntiatur in Bratislava

BranaNunciatury

Die Initiatoren versammelten sich zum vorgeschlagenen Termin pünktlich am Vormittag vor der Nuntiatur, ein enormes Aufgebot slowakischer Medien erwartete uns bereits und verfolgte unsere mehrmaligen Versuche durch Anläuten an der Gartenpforte Zutritt zum Nuntiatur-Palast zur Entgegennahme der Petitionsunterschriften zu bekommen. Vergeblich! Über die Fernsprechanlage meldete sich eine männliche Stimme, dass der Herr Nuntius die Gruppe nicht empfange. Begründet wurde dies aber trotz unseres Insistierens nicht. – Von der „Festung Nuntiatur“ ist eben das Volk Gottes ausgeschlossen!

Die zahlreich anwesenden Medienvertreter haben dieses ungeheuerliche Verhalten in ihrer Berichterstattung entsprechend vermerkt und sich die brutale Brüskierung von den Initiatoren kommentieren lassen. Medienpräsenz und Medienecho, welches zusätzlich durch eine anschließende Pressekonferenz inhaltlich genährt wurde, waren überwältigend. Unter den vier Persönlichkeiten am Podium auch P. Anton Srholec.

Am 14. Mai 2014 informierten die Initiatoren Papst Franciscus schriftlich über diese unerhörte Vorgehensweise seines Diplomaten. Die Abschiebung der kirchlich-moralischen Verantwortung auf das Nachbarland Österreich, weil die Initiative dort ins Leben gerufen wurde, könne in keiner Weise akzeptiert werden. Die Initiatoren sehen es als ihre Pflicht, ihre Mitchristen – unabhängig davon, in welchem Land – in ihrem Nachbarland zu unterstützen. „Alle Christen sind überall füreinander verantwortlich“.

Nuntius in Wien windet sich

Nuntius

Ein offizielles Schreiben des Pfarrgemeinderates von St. Veit a. d. Triesting vom 19. September 2012 an Nuntius Zurbriggen mit der Bitte um Aufklärung der Absetzung von Erzbischof Róbert Bezák. Die Anfrage blieb inhaltlich unbehandelt. Seine Antwort vom 9. Oktober 2012 spricht Bände. Ein Zitat (Lumen Gentium) daraus: Der Papst als höchster Hirte der Kirche kann seine Vollmacht jederzeit nach Gutdünken ausüben, wie es von seinem Amt her gefordert wird“. Zurbriggen bezieht sich auch auf die „Klarstellung“ der Nuntiatur in Bratislava, wonach die Entscheidung nach einer durchgeführten Apostolischen Visitation und nach „sorgfältiger Überlegung“ getroffen worden sei. „Andere Details“ seien Zurbriggen „nicht bekannt“.

Auch das Schreiben Zurbriggens wurde nicht widerspruchslos hingenommen. So sei die Behauptung, die Nichtveröffentlichung aller Details der Absetzung Bezáks sei zu seinem Schutz geschehen, ist nicht akzeptabel, vielmehr soll vieles unter den Teppich gekehrt werden. Ohne die Aufklärung des Falles Bezák und dessen Rehabilitierung werden die Gläubigen in der Slowakei und jenseits der Grenzen nicht zur Ruhe kommen, auch wenn die slowakische Bischofskonferenz Angst und Einschüchterung unter den Priestern, Pfarrern und den Menschen verbreitet. „Wir ersuchen Sie zwischen dem Vatikan und der österreichischen Bevölkerung eine inhaltsrelevante und informative Kommunikation auch in der Causa Bezák herzustellen“.

Die Heuchler

Die slowakische Bischofskonferenz unter ihrem Vorsitzenden Erzbischof Stanislav Zvolenský tritt – ihr Mäntelchen nach dem Wind drehend – jetzt wo ihr die Felle davonzuschwimmen drohen in ihrer Diktion die Flucht nach vorne an. Weil die Causa Bezák vielleicht das internationale Zünglein an der Waage sein könnte für eine grundlegenden Reform der vatikanischen Kirchenpolitik, der Kurienstrukturen und hoffentlich auch mancher theologischer, angefangen beim Kirchenrecht.

Aussagen Zvolenskýs, die slowakischen Bischöfe hätten „immer und vorbehaltlos alle Entscheidungen der vorangegangenen Päpste respektiert“, und so halte man es auch mit dem jetzigen Papst, und man freue sich darüber, dass der Papst Bezák empfangen habe, sind reine Heuchelei, denn noch unter Papst Franciscus wurde Bezák von den slowakischen Bischöfen ärgstens boykottiert. Auch seine Verbannung in das Redemptoristenkloster im italienischen Bussolengo nahe Verona wurde im Hintergrund weiter betrieben. Bezák jedoch zog einen Schlussstrich und kehrte vor einem halben Jahr in die Slowakei zurück, wo er sich bis heute aufhält.

Slowakische Bischöfe wollen ihre eigene Haut retten

Eigenverantwortung in der Causa Bezák haben die slowakischen Bischöfe bis heute keine übernom­men, sie haben für ihn nicht einmal ihre Stimme erhoben. Kein einziger Bischof hat jemals persönlich mit Bezák kommuniziert, im Gegenteil, sie haben ihn alle gemieden wie einen Aussätzigen, geschweige denn sich für seine Angelegenheit interessiert. Den angeblich unternommenen Versuch, mit Bezák zu kommunizieren, sahen die Bischöfe aber schon unter der Bedingung, sich nicht offen und um den Preis einer „Sensationsberichterstattung“ gegen die Abberufung zu stellen. Da tut sich die Frage auf, warum denn überhaupt nicht, und schon gar nicht offen? Und dann die Schuldzuweisung an Bezák: Er habe das Interesse an einer Kommunikation mit den Bischöfen verloren. In Wahrheit aber wollten die Bischöfe alle nur ihre eigene Haut retten, obwohl Zvolensky dies vehement in Abrede stellt. Auch „mit verdeckten Karten haben sie nicht spielen wollen“. Na, so etwas! – Haben sie denn das Spiel mit verdeckten Karten gegen ihren Willen nur zugelassen…?

Zvolenský zum Rücktritt aufgefordert

Die Feigheit der slowakischen bischöflichen Amtsträger vor dem Verlust ihrer hierarchischen Macht und ihrer Pfründe macht deutlich, wie freudig sie eigentlich insgeheim die Polarisierung unter den Gläubigen und die Frontenbildung in Kauf zu nehmen, wenn Zvolenský glaubhaft machen will: Es wäre „nicht angebracht“ gewesen, wenn sich ein slowakischer Bischof weit hinausgelehnt und für Bezák in Rom interveniert hätte. – Ja, bitte, warum denn nicht? Gegen Bezák wurde sehr wohl massiv interveniert, warum nicht für Bezák? – Eigentlich klar, warum nicht: Die slowakische Bischofskonferenz will auf Biegen und Brechen nicht an den bestehenden Machtstrukturen rütteln und ihre Seilschaften erhalten. Die mehrfach schon erhobene Rücktrittsforderung an Zvolenský kann daher nur befürwortet werden, denn sein Verhalten ist Verrat an jenen Bischöfen, die mit Bezák solidarisch sind, und vor allem Verrat an Papst Franciscus.

Redemptoristen-General: Bei Bezák „prudentia“ notwendig

Es ist aber kaum verwunderlich, wie weit verbreitet diese Haltung unter den katholischen hochrangigen „Würdenträgern“ ist. Selbst ein persönliches Gespräch zweier Vertreter der Initiatorengruppe mit dem kanadischen Ordensgeneral der Redemptoristen (denen Bezák angehört), P. Michael Brehl, am 15. Juni 2014, anlässlich seines Besuches in Wien, war in höchstem Maße unbefriedigend.  Provinzial, P. Voith hatte dazu eingeladen, um bei dieser Gelegenheit P. Brehl eine Sammelmappe mit Unterlagen zu unserer Petition für die Rehabilitierung Bezáks zu übergeben und unsere weiteren Schritte zu erläutern. Brehl zeigte sich zur Bezák-Frage völlig unzugänglich und reserviert, er ging praktisch auf keine unserer Fragen ein. Er hörte uns zwar kurz zu, meinte dann aber nur lakonisch, im Umgang mit dem Vatikan betreffend die Causa Bezák solle man unbedingt „prudentia“, also Klugheit, Vorsicht, Bedachtsamkeit walten lassen. Angeblich sei er aber bereits in dieser Causa an den Papst herangetreten. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht.

Bereits im August 2012 haben sich die Initiatoren an die Vorsitzenden der Superiorenkonferenz der Ordensleute gewandt, mit der Bitte um Unterstützung für Bezák. Das Argument, genaue Informationen fehlten dazu, könnten nur die Ordensleute überwinden helfen, so die Begründung des Ersuchens, indem sie den Unterschied zwischen falschen (korrupten und korruptionsdeckenden) und echten (zeugnisbereiten) Gehorsam unter Beweis stellen und somit die Kirche aus diesen Fängen der Kurie befreien helfen. Dieser Appell an die Ordensleute, darunter natürlich die Redemptoristen, erging auch an einige Bischöfe im Ruhestand oder Weihbischöfe, weil sie für viele österreichische Gemeinden  den Rest der verspielten Glaubwürdigkeit darstellen. Der „Andrang“, Róbert Bezák zu unterstützen, hielt sich allerdings merklich in Grenzen.

Kardinal Duka: Kein Argument für Abberufung Bezáks

Seitens der Initiatoren und deren Mitstreiter wurden seit der Absetzung Bezáks in zwei getrennten Mailings sämtliche Bischöfe in Österreich sowie Bischöfe in Deutschland und anderen europäischen Ländern in persönlichen Briefen angeschrieben und um Unterstützung für Róbert Bezák gebeten. Auch hier, die Mehrheit glaubte offenbar, unser Anliegen „nicht einmal ignorieren“ zu müssen. Nur der Erzbischof von Prag, Kardinal Dominik Duka, der doch den Ruf genießt, die Bezák widerfahrene Ungerechtigkeit, Erniedrigung und Verstümmelung der Menschenwürde nicht durchgehen lassen zu wollen, antwortete auf ein Schreiben der Initiatoren vom 6. September 2013 dankenswerterweise: “Es gibt kein moralisches Argument, weswegen Róbert Bezák abberufen werden konnte“ (cristnet.cz; 3. Juli 2013).

Eigenverantwortung und Rückgrat ist den Bischöfen fremd!

Schoenborn

Der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Erzbischof Dr. Christoph Schönborn, wurde im Jänner 2014 vor seinem damals bevorstehenden Ad-Limina-Besuch in Rom von der Initiatorengruppe schriftlich um Hilfe gebeten, sich persönlich bei Papst Franciscus für Erzbischof Bezák zu verwenden und einzusetzen. Eine Vertreterin der Initiatoren hatte das Schreiben persönlich im Sekretariat Schönborn der Erzdiözese Wien und verbal die Wichtigkeit einer Antwort des Kardinals unterstrichen. Doch diese blieb aus. Bis heute! Was man davon halten soll? Nichts oder noch weniger als nichts, nämlich extrem unterwürfiges Verhalten, das die Eigenverantwortung nachhaltig untergräbt. Sie wird bewusst auf’s Spiel gesetzt, wenn der Vatikan sein Gesicht zu wahren sucht, weil er schwer­wiegende Fehler begangen hat und nicht weiß, wie und ob er sie gutmachen will, oder sinnloser Weise „erst in einigen hundert Jahren“, wie das Dr. Erhard Busek auf unserer Pressekonferenz am 09.01.2014 befürchtet hat.

In der Österreichischen Bischofskonferenz ist daher äußerste Zurückhaltung festzustellen, wenn es um eine Unterstützung für Bezák geht. Nur vereinzelt wird da und dort die Stimme für ihn erhoben, zumeist indirekt. Dazu zählen wenige „in Ruhe“ befindliche Bischöfe, wie Johann Weber und Helmut Krätzl.

Schon Mitte August 2012 hatten slowakische Christen einen Brief an alle Bischöfe ihrer Nachbarländer geschickt, mit der Bitte um Solidarisierung, auf die wir in Österreich unterstützend reagierten.